Himbeerblättertee in der Schwangerschaft: Ab wann, wie viel und was er wirklich bewirkt
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Das Wichtigste zuerst: Himbeerblättertee in der Schwangerschaft ist ein Klassiker vor der Geburt. Viele Hebammen empfehlen ihn ab der 37. Schwangerschaftswoche (SSW), meist 1 bis 3 Tassen am Tag. Ehrlich gesagt: Dass er die Geburt leichter oder kürzer macht, ist wissenschaftlich nicht belegt. Die Studien sind klein und zeigen keinen klaren Nutzen. Hinweise auf Schäden gibt es bisher aber auch nicht. Wenn du ihn gerne trinkst, sprich vorher mit deiner Hebamme. Wenn du Insulin spritzt, auch mit deinem Diabetes-Team.
Hier liest du, ab wann und wie viel Himbeerblättertee üblich ist, was Studien wirklich zeigen, wann du vorsichtig sein solltest und worauf du beim Kauf achten kannst.
Gliederung:
Was ist Himbeerblättertee?
Himbeerblättertee wird aus den getrockneten Blättern des Himbeerstrauchs gemacht. Mit Himbeeren hat er nichts zu tun. Er schmeckt eher wie ein milder grüner Tee, ist aber koffeinfrei. Er wird seit Jahrhunderten vor der Geburt getrunken. Die Idee dahinter: Er soll die Gebärmutter auf die Wehen vorbereiten.
Himbeerblättertee: Ab wann in der Schwangerschaft?
Eine offizielle Empfehlung, ab welcher Woche du Himbeerblättertee trinken solltest, gibt es nicht. Es gibt dazu einfach zu wenige gute Studien.
Viele Hebammen empfehlen Himbeerblättertee ab der 37. Schwangerschaftswoche.
So rät es zum Beispiel eine Münchner Hebamme in der Apotheken Umschau, nach Absprache mit der Hebamme oder Frauenärztin [6]. In Studien haben Frauen meist ab der 32. bis 36. SSW angefangen [2, 4].
Vorher eher nicht: Weil der Tee traditionell als „wehenfördernd“ gilt, raten Hebammen in den ersten beiden Dritteln der Schwangerschaft davon ab. Belegt ist eine wehenauslösende Wirkung nicht. Aber ohne Nutzen gibt es auch keinen Grund, ihn früh zu trinken.
Wie viel Himbeerblättertee am Tag?
Auch für die Menge gibt es keine festen Regeln. Üblich sind laut der amerikanischen Apothekervereinigung 1 bis 3 Tassen am Tag [6].
Üblich sind 1 bis 3 Tassen Himbeerblättertee pro Tag.
Vielleicht hast du Pläne mit Pausen gesehen, etwa „in der 38. SSW pausieren, in der 39. SSW auf 4 Tassen steigern“. Solche Pläne sind nicht durch Studien belegt. Mehr Tee bringt nicht automatisch mehr.
So bereitest du ihn zu: 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Blätter mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen. 6 bis 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen [6].
Was bewirkt Himbeerblättertee? Das zeigen Studien
Viele Frauen erzählen, dass ihre Geburt mit Himbeerblättertee leichter war. Das ist verständlich. Aber eine gute Erfahrung beweist nicht, dass es am Tee lag. Deshalb schauen wir auf die Studien.
Die einzige kontrollierte Studie: In Australien bekamen 192 Frauen beim ersten Kind ab der 32. SSW entweder Himbeerblatt-Tabletten oder Tabletten ohne Wirkstoff. Keine wusste, was sie bekommt. Das Ergebnis: Die Geburt dauerte nicht kürzer. Auch bei Wehenmitteln, Schmerzmitteln und Blutverlust gab es keinen Unterschied. Die Pressphase war im Schnitt knapp 10 Minuten kürzer. Das kann aber auch Zufall sein [2].
Weitere Studien: Eine ältere Auswertung mit 108 Frauen fand ebenfalls keine klaren Unterschiede [3]. Eine neuere Studie aus Australien mit 91 Frauen sah bei Teetrinkerinnen zwar weniger Saugglocken- und Zangengeburten. Die Forscherinnen schreiben aber selbst, dass man sich auf dieses Ergebnis nicht verlassen kann. Die Gruppen waren zu klein und nicht vergleichbar. Zum Beispiel wurden die Teetrinkerinnen häufiger von derselben Hebamme betreut [4].
Die große Übersicht: Eine Auswertung aller Studien von 2021 kommt zu dem Schluss: Die Beweise sind schwach. Keine Studie am Menschen zeigte einen sicheren Nutzen oder Schaden [1].
Dass Himbeerblättertee die Geburt verkürzt oder erleichtert, ist wissenschaftlich nicht belegt.
Und der Muttermund? Oft liest man, der Tee mache den Muttermund weich. Dazu gibt es keine Studien.
Ist Himbeerblättertee in der Schwangerschaft sicher?
In den Studien an Schwangeren gab es keine Hinweise auf Schäden für Mutter oder Kind [1]. Das ist beruhigend. Es ist aber nicht dasselbe wie ein Sicherheitsnachweis, denn dafür waren die Studien zu klein. In Laborversuchen hat Himbeerblatt außerdem Enzyme gebremst, die Medikamente abbauen. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind deshalb denkbar [1].
Sprich vorher mit deiner Hebamme oder Frauenärztin, wenn:
du vorzeitige Wehen hast oder hattest,
du regelmäßig Medikamente nimmst,
du auf Himbeeren allergisch reagierst,
du Schwangerschaftsdiabetes hast und Insulin spritzt (mehr dazu im nächsten Abschnitt).
Manche Frauen bekommen vom Tee Durchfall oder einen empfindlichen Magen. Dann lass ihn einfach weg.
Himbeerblättertee bei Schwangerschaftsdiabetes
Es gibt einen Fallbericht über eine Frau mit Schwangerschaftsdiabetes, die Insulin spritzte. Nachdem sie drei Tage lang zwei Tassen Himbeerblättertee am Tag getrunken hatte, war ihr Blutzucker zu niedrig [1, 10]. Ein einzelner Fall beweist nicht, dass der Tee schuld war. Aber er ist ein guter Grund für Vorsicht.
Wenn du Insulin oder Tabletten gegen hohen Blutzucker nimmst: Sprich vorher mit deinem Diabetes-Team. Und miss deinen Blutzucker in den ersten Tagen besonders aufmerksam. Wenn du deinen Schwangerschaftsdiabetes nur mit Ernährung behandelst, ist das Risiko für eine Unterzuckerung sehr gering. Miss trotzdem wie gewohnt.
Was du bei Schwangerschaftsdiabetes sonst beachten kannst, liest du in unserem Artikel Schwangerschaftsdiabetes – Was jetzt wirklich wichtig ist.
Himbeerblättertee bei Kinderwunsch und in der Stillzeit
Kinderwunsch: Oft liest man, Himbeerblättertee reguliere den Zyklus oder mache fruchtbarer. Dafür gibt es keine Belege. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) nennt als traditionelle Anwendung nur leichte Regelschmerzen. Auch das beruht auf langer Erfahrung, nicht auf Studien [5]. Was bei Kinderwunsch wirklich hilft, liest du in unseren 12 Tipps zum Schwangerwerden.
Stillzeit: Dass Himbeerblättertee die Milchbildung fördert, ist nicht belegt [8]. Zur Sicherheit in der Stillzeit gibt es keine Daten.
Himbeerblättertee kaufen: Darauf solltest du achten
Himbeerblättertee bekommst du in Drogerien wie dm und Rossmann, in Apotheken, Bioläden und online. Darauf kannst du achten:
Reine Himbeerblätter: Schau auf die Zutatenliste. Im besten Fall steht dort nur „Himbeerblätter“.
Bio-Qualität: Bio-Tees dürfen nicht mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden.
Abwechseln: Kräutertees können Pyrrolizidinalkaloide enthalten. Das sind natürliche Pflanzengifte, die über Unkraut bei der Ernte in den Tee gelangen können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät Schwangeren und Stillenden deshalb, Kräutertees abwechselnd mit anderen Getränken zu trinken [9]. Wechsle also ruhig auch mal die Sorte oder Marke.
Werbeversprechen nicht zu ernst nehmen: Aussagen wie „bereitet auf die Geburt vor“ auf der Packung sind keine Belege.
Weitere Tees für die Schwangerschaft findest du in 7 Tees, die dir während der Schwangerschaft helfen und Arzneipflanzen in der Schwangerschaft.
Fazit
Himbeerblättertee ist ein beliebtes Ritual vor der Geburt. Dass er die Geburt kürzer oder leichter macht, zeigen die Studien bisher nicht. Hinweise auf Schäden gibt es aber auch nicht. Wenn du ihn gerne trinkst, sind ab der 37. SSW 1 bis 3 Tassen am Tag üblich. Sprich vorher mit deiner Hebamme. Bei Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin, bei vorzeitigen Wehen oder wenn du Medikamente nimmst, frag zuerst deine Ärztin. Und wenn du ihn nicht magst: Du verpasst nichts.
Häufige Fragen zu Himbeerblättertee in der Schwangerschaft
Ab wann darf man Himbeerblättertee in der Schwangerschaft trinken?
Eine offizielle Empfehlung gibt es nicht. Viele Hebammen empfehlen Himbeerblättertee ab der 37. Schwangerschaftswoche, nach Absprache mit der Hebamme oder Frauenärztin.
Wie viel Himbeerblättertee am Tag ist okay?
Üblich sind 1 bis 3 Tassen am Tag. Feste, durch Studien belegte Dosierungen oder Trinkpläne gibt es nicht.
Löst Himbeerblättertee Wehen aus?
Dafür gibt es keine Belege. In der einzigen kontrollierten Studie begann die Geburt nicht früher und dauerte auch nicht kürzer als ohne Himbeerblatt.
Hilft Himbeerblättertee bei Kinderwunsch?
Nein, dafür gibt es keine Belege. Die Europäische Arzneimittel-Agentur nennt als traditionelle Anwendung nur leichte Regelschmerzen.
Darf ich Himbeerblättertee in der Stillzeit trinken?
Dass er die Milchbildung fördert, ist nicht belegt, und zur Sicherheit in der Stillzeit gibt es keine Daten. Wenn du ihn trinken möchtest, sprich mit deiner Hebamme.
Darf ich bei Schwangerschaftsdiabetes Himbeerblättertee trinken?
Wenn du Insulin oder Tabletten gegen hohen Blutzucker nimmst, sprich vorher mit deinem Diabetes-Team. In einem Fallbericht kam es nach Himbeerblättertee zu einer Unterzuckerung. Miss deinen Blutzucker in den ersten Tagen besonders aufmerksam.
Quellen
Bowman R, Taylor J, Muggleton S, Davis D. Biophysical effects, safety and efficacy of raspberry leaf use in pregnancy: a systematic integrative review. BMC Complement Med Ther. 2021;21:56. doi:10.1186/s12906-021-03230-4
Simpson M, Parsons M, Greenwood J, Wade K. Raspberry leaf in pregnancy: its safety and efficacy in labor. J Midwifery Womens Health. 2001;46(2):51–59.
Parsons M, Simpson M, Ponton T. Raspberry leaf and its effect on labour: safety and efficacy. Aust Coll Midwives Inc J. 1999;12(3):20–25.
Bowman R, Taylor J, Davis D. Prospektive Beobachtungsstudie zur Anwendung von Himbeerblatt in der Schwangerschaft. BMC Complement Med Ther. 2024;24:169.
European Medicines Agency (EMA), HMPC. Rubi idaei folium – EU-Pflanzenmonographie und Zusammenfassung für die Öffentlichkeit. ema.europa.eu
Dettmer J. Kann Himbeerblättertee die Entbindung erleichtern? Apotheken Umschau, 25.06.2025.
AOK Gesundheitsmagazin. Himbeerblättertee vor der Geburt: Was sagt die Medizin? aok.de
Drugs and Lactation Database (LactMed). Raspberry Leaf. National Library of Medicine (US), NBK501785.
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Verunreinigungen in Tees und Honig sind die Hauptaufnahmequellen für Pyrrolizidinalkaloide (PA). Presseinformation 36/2016.
Cheang KI, Nguyen TT, Karjane NW, Salley KE. Raspberry Leaf and Hypoglycemia in Gestational Diabetes Mellitus. Obstet Gynecol. 2016;128(6):1421–1424.
Autorenprofil

Katharina Kaiser
Ernährungswissenschaftlerin B.Sc. und zweifache Mama. Meine Mission ist es, Dir alles beizubringen, was Du über Ernährung in der Schwangerschaft, Stillzeit und mit Kinderwunsch wissen musst. Denn die richtige Ernährung kann in diesen Lebensphasen viel bewirken, und vieles davon ist gut erforscht. Dafür lese ich täglich nerdige Studien und übersetze mein Wissen in einfach verständliche Blog-Artikel und konkrete Tipps für Dich. Wir von Youna Life freuen uns darauf, Dich auf deiner Reise zum Mama-Sein begleiten zu können.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu deiner persönlichen Situation wende dich an deine Frauenärztin, deinen Frauenarzt oder deine Hebamme.




